JEVER – Maria von Jever als eine „starke Frau“ der frühen Neuzeit: In den Reden anlässlich der Ernennung der Marienstadt zum „Frauenort“ im Schlossmuseum äußerten die Rednerinnen (und ein Redner) durchweg Bewunderung und Hochachtung für die einstige Regentin des Jeverlandes.

BILD Jörg Stutz: Gute Laune im „Frauenort“ Jever: AsF-Vorsitzende Elke Vredenborg (v.l.), Kreis-Gleichstellungsbeauftragte Elke Rohlfs-Jacob und ihre jeversche Amtskollegin Ivonne Loers sowie die Präsidentin des Lions Cubs Jever und Museumsleiterin Dr. Antje Sander.


Besonders deutliche Worte fand Hanna Hertlein-Scheider. Maria habe „nicht mehr nur Objekt sein“ wollen. Sie beginnt im Alter von 31 Jahren gegen die ostfriesischen Machtansprüche „zu kämpfen“ und lenkt das Jeverland „durch die Stürme der Geschichte“, wobei sie auch Geschick als Regentin zeigt. Kurzum, so die Leiterin der Abteilung Frauen und Gleichstellung im niedersächsischen Sozialministerium: „Eine würdige Frau für einen ,Frauenort‘.“

von Jörg Stutz: Gruppenbild mit Fräulein Maria: Jan Edo Albers (v.l.), Antje Sander, Elke Vredenborg, Ivonne Loers, Anke Dirks, Marianne Kaiser-Fuchs, Hanna Hertlein-Scheider, Elke Rohlfs-Jacob und Cornelia Klaus.


„In kaum einer Persönlichkeit wird die Geschichte des Jeverlandes so fokussiert, so zugespitzt wie in der historischen Figur Fräulein Marias“, brachte Professor Dr. Antje Sander das Verhältnis der Jeverländer zur einstigen Landesherrin auf den Punkt, dessen Todestag sich übrigens am Sonnabend zum 441. Mal jährte. Die Museumsleiterin schilderte, wie Maria bei der Durchsetzung ihrer Interessen auf das Reichsrecht setzte. Fünf Mal reiste sie in die Niederlande zum Hof der Statthalterin Maria von Ungarn, um mit kaiserlicher Hilfe die Ansprüche der Ostfriesen dauerhaft abzuwehren – mit Erfolg, wie die Folgejahrzehnte gezeigt haben.
Doch Maria war auch eine gefühlvolle Frau, wie ein Brief vom 16. April 1536 an Boying von Oldersum zeigt. In dem von Schauspielerin Elke Münch verlesenen Schreiben bezeichnet die Regentin ihren damaligen Berater (und wohl auch Geliebten) als „besonders guten Freund“ und bittet Gott, er solle Boying „lange gesund sein lassen“.
Nicht ganz so weit zurück in die Geschichte ging der einzige männliche Redner. Jan Edo Albers erinnerte an Frauen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten um Jever verdient gemacht haben, wie zum Beispiel die ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen bzw. stellvertretenden Amtsinhaberinnen Ingrid Donk, Margot Lorentzen und Elke Vredenborg, die den Boden bereitet hätten für die erste hauptamtliche Bürgermeisterin Angela Dankwardt. „In Jever spielen Frauen eine wichtige Rolle“, betonte der Bürgermeister und nannte beispielhaft Louise Eden (Tafel), die Volksbank-Aufsichtsratsvorsitzende Doortje Sabin sowie die ehemalige Kunstschul-Leiterin Ulrike de Buhr. Auch sei Jever mit seinem hohen Frauenanteil im Rat „in Friesland spitze“.
„Maria hat uns ein Erbe hinterlassen, das wir fortführen sollten“, blickte Marianne Kaiser-Fuchs in die Zukunft. Die stellvertretende Landrätin wies auf Frauen hin, die in Friesland „mit Erfolg in typischen Männerberufen arbeiten“.
Ziel der „Frauenorte“ sei es, „Leben und Wirken bedeutender historischer Frauenpersönlichkeiten lebendig werden zu lassen“, so Landesfrauenrats-Vorsitzende Cornelia Klaus. Wie das in Jever geschehen soll, erläuterte Jevers Gleichstellungsbeauftragte Ivonne Loers.
Frauenort in Jever

von Jörg Stutz: Mehr als hundert Gäste verfolgten im Audienzsaal den „Frauenort“-Festakt.


Demnach soll demnächst eine Maria-von-Jever-Webseite freigeschaltet werden. Auch sollen sich künftig Smartphone-Inhaber an ausgewählten Stellen in der Stadt mittels QR-Code über Jevers einstige Regentin informieren können. Geplant sind auch eine „Maria-Card“ mit Vergünstigungen bei Eintritten und Einkäufen sowie Fahrrad-, Bus- und Bahntouren sozusagen „auf Marias Spuren“.
Friesland Gleichstellungsbeauftragte Elke Rohlfs-Jacob beschrieb die einstige Landesherrin als „interessante und vielschichtige Persönlichkeit“, als „emanzipiert, klug und mit vielen Begabungen“. Eine Begabung war laut Antje Sander, „ein Netz von guten Beratern zu knüpfen“, zu denen eben auch Boying von Oldersum gehörte. Und bei diesem Berater konnte die ansonsten „starke Frau“ Maria offensichtlich auch mal schwach werden.
von JÖRG STUTZ